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03|02|12

Medi­en­kom­pe­tenz für alle!

Medi­en­kom­pe­tenz außer­halb der Schule und was die Enquete-Kommission sich für die For­schung wünscht.


In dem Medienkompetenz-Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Inter­net und digi­tale Gesell­schaft“ geht es nicht nur um Jugend­li­che, wie in Teil I „Medi­en­kom­pe­tenz durch Lap­tops?“ und Teil II „Ver­brennt die Schul­bü­cher“ beschrie­ben, son­dern auch um Behin­derte, Migran­ten und ältere Men­schen, für die es spe­zi­ell auf sie abge­stimmte Ange­bote geben soll. Zudem soll „Medi­en­kom­pe­tenz als das Erler­nen des ver­ant­wort­li­chen Umgangs mit Medien nicht aus­schließ­lich getrennt nach Alters­grup­pen ver­mit­telt wer­den. Dem Zusam­men­wir­ken von Kin­dern, Jugend­li­chen, Erwach­se­nen und Senio­ren kommt hier­bei in Zukunft eine immer grö­ßere Bedeu­tung zu.“ Konkret:

„Ältere Men­schen, die sich den Umgang mit dem Inter­net nicht zutrauen, kön­nen durch die jün­gere Gene­ra­tion an die Mög­lich­kei­ten des Net­zes, spe­zi­ell auch sozia­ler Netz­werke, her­an­ge­führt wer­den. Umge­kehrt ist aber ebenso davon aus­zu­ge­hen, dass Jün­gere von dem Wis­sen Älte­rer pro­fi­tie­ren, was zum Bei­spiel der Ein­ord­nung und Bewer­tung von Infor­ma­tio­nen zu Gute kom­men kann“ (S.31)

Ob diese Idee umge­setzt wer­den kann, halte ich jedoch für frag­lich. Erwach­sene haben in der Posi­tion des Ler­nen­den andere Bedürf­nisse als Jugend­li­che. Sie ler­nen ziel­ge­rich­te­ter und der Lern­stoff muss an ihre Erfah­run­gen anknüp­fen (vgl. Meier-Gantenbein, 2009, S. 171–172).

Außer­dem haben Erwach­sene andere Inter­es­sen als Jugend­li­che. Um ihnen die Vor­züge des Social Web näher zu brin­gen, muss ihnen der Nut­zen und die Rele­vanz erklärt wer­den. Für Jugend­li­che steht eher die Freude an Kom­mu­ni­ka­tion und Spiel im Vor­der­grund. Die Ver­mitt­lung von Medi­en­kom­pe­tenz sollte daher unter Anlei­tung von didak­tisch geschul­tem Per­so­nal gesche­hen und nicht mit Jugend­li­chen, die die­sen Anfor­de­run­gen gar nicht gerecht wer­den können.

For­schung, Koor­di­na­tion und das große Ganze

Gut finde ich die For­de­rung nach inter­dis­zi­pli­nä­rer, pra­xis­na­her For­schung, die an inter­na­tio­nale Stu­dien anknüpft. Ins­be­son­dere für Men­schen mit Behin­de­rung gibt es da wohl zu wenig im deutsch­spra­chi­gen Raum. Das war mir bis­her nicht bewusst. Da ich selbst schon Work­shops an Schu­len zum Thema Medi­en­kom­pe­tenz gehal­ten habe, sehe ich das auch als Anre­gung für meine Arbeit: Wie muss ein Work­shop kon­zi­piert sein, damit er auch für Men­schen mit Behin­de­run­gen funk­tio­niert? Wel­che beson­de­ren Anfor­de­run­gen gibt es? Fra­gen, die auf meine To-do-Liste wan­dern. Über Tipps freue ich mich.

Bund und Län­der müs­sen sich bes­ser abstim­men, wenn es um Förder-Projekte geht. „Bis­lang erscheint die Ver­net­zung eher zufäl­lig und ist ver­bes­se­rungs­fä­hig“ (S. 33). Um inter­dis­zi­pli­nä­rer zu wer­den, soll ein Exper­ten­gre­mium her, das regel­mä­ßig tagt. Unklar bleibt mir hin­ge­gen der Wunsch nach „Dau­er­hafte Inves­ti­tion“ und „inno­va­ti­ons­freund­li­chem Klima im Bil­dungs­sys­tem“ (S. 31). Was damit gemeint ist, werde ich wohl noch erfra­gen müssen.

Medi­en­kom­pe­tenz: Nicht ver­bie­ten, son­dern befähigen

Beson­ders posi­tiv ist mir die Grund­hal­tung des Berichts auf­ge­fal­len: Es geht nicht um Ver­bote, son­dern um Befä­hi­gung. „Medi­en­kom­pe­tenz bedeu­tet nicht nur das Abwen­den von Risi­ken, son­dern auch die Wahr­neh­mung von Chan­cen – vor allem der zahl­rei­chen Bil­dungs­chan­cen“ (S. 4).

Themen der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft  Quelle: http://www.bundestag.de/internetenqueteDer Zwi­schen­be­richt zeigt: Die Arbeit der Enquete-Kommission geht in die rich­tige Rich­tung. Übri­gens beschäf­tigt sich die Kom­mis­sion neben dem Thema Medi­en­kom­pe­tenz auch mit Urhe­ber­recht, Netz­neu­tra­li­tät, Daten­schutz  und eini­gen wei­te­ren The­men. Siehe Screenshot.

Bis ana­loge und digi­tale Welt auch in den Köp­fen der Büro­kra­ten eins wer­den, wird die Enquete-Kommission wohl noch einige Berichte schrei­ben müssen.

Teil I: Medi­en­kom­pe­tenz durch Lap­tops?
Teil IIVer­brennt die Schulbücher

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